Mann am Bahnhof

Der letzte Zug
Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle.
Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er
hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug
nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden.
Er merkte anscheinend nicht, dass er schon lange
beobachtet wurde.
Dass war die Chance, auf die Ricki so lange gewartet
hatte. Er war schon seit Jahren obdachlos. Der verdammte
Alkohol war schuld daran, welcher ihm langsam, Stück für
Stück sein geordnetes Leben genommen hatte.
Er lag schon lange auf einer Bank in dieser kalten
Bahnhofshalle und hatte sich mit alten Zeitungen zugedeckt.
Seine Hände zitterten und er preßte sie unter seine
Achselhöhlen. Es war nicht alleine die Kälte, – oh nein!
Es waren die ersten Entzugserscheinungen, denn der letzte
Schluck Wein war schon lange her.
Der Mann stand schon seit Stunden am Bahnsteig.
Zuerst glaubte Ricki er steigt bald ein, aber Zug
um Zug kam und fuhr wieder weg und der Mann rührte sich
nicht von der Stelle. Er sah auch nicht so aus, als würde er
auf jemanden warten.
Also, was wollte der Kerl hier überhaupt? Hatte er vielleicht
sogar vor sich das Leben zu nehmen? Dafür war es jetzt
sowieso zu spät, denn der letzte Zug war abgefahren.
Na ja, wenn er sterben wollte … dumme Gedanken, denn der Tod kam ja sowieso eines Tages. Da mußte man nicht vorgreifen, aber ausgeraubt würde er gleich werden und
zwar von ihm und dass mußte schnell gehen, bevor das Zittern schlimmer wurde.
Es wäre nicht dass erste Mal, und es mußte ihm gelingen,
denn sein Körper schrie nach Alkohol.
Vorsichtig, dass die Zeitungen kein verräterisches Geräusch erzeugten, denn jetzt war es ziemlich still in der Halle geworden, erhob er sich von seinem Platz. Leise schlich er
so gut es ging mit seinen durchgelaufenen Schuhen, in die
Richtung des Unbekannten. Der Mann machte einen Schritt
nach links und war aus dem Blickfeld von Ricki
entschwunden. Wo war er plötzlich?
Während er sein Klappmesser aus der Jackentasche zog, umrundete er mit schnellen Sätzen die Säule, hinter der er
den Fremden vermutete. Der Platz war leer!
Das war doch unmöglich … wo war der Kerl? Schnell drehte er sich um, in der Erwartung, ihn hinter sich zu sehen. Seine
Augen sahen sich gehetzt nach allen Seiten um.
„Suchst du vielleicht mich?“ Die heisere Stimme nahe an
seinem Ohr, ließ ihn um ein Haar die Kontrolle über seine
Gedärme verlieren. Das war doch nicht möglich, wo kam er
so schnell her? Er sprang einen Schritt zurück und hielt zitternd das Messer in seiner ausgestreckten Hand. „Geld …
gib mir sofort dein verdammtes Geld sonst passiert was!“
„Du hast schon die ganze Zeit auf mich gewartet, stimmts?“
Der Mann war jünger und sicher dreißig Zentimeter größer als Ricki mit seinen fünfzig Jahren und ein Meter siebzig. Nur keine Panik aufkommen lassen, so kurz vorm Ziel,- obwohl ihm der Kerl immer unheimlicher wurde. „Quatsch nicht so viel und rück endlich deine Kohle raus, ich habs eilig!“
„Glaub mir, ich auch. Aber ich brauche von dir kein Geld sondern … deine Lebenskraft!“

Was faselte der Verrückte da? Oder war das nur einer seiner
grauenhaften Träume, die ihn in letzter Zeit immer öfters
heimsuchten? In diesem Augenblick legte der Mann ihm beide Hände auf die mageren Schultern und alles was er noch fühlte, war ein Schweben, ein Ziehen und dann … nichts mehr!
Der letzte Zug war weg und der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann.
Charlie lag auf der Bank unter alten Zeitungen und beobachtete ihn schon lange. Das währe ein gefundenes
Fressen für Ricki, aber der hatte sich schon längere Zeit
nicht mehr blicken lassen. Na ja, bleibt dieser Ahnungslose
mir … auch gut!

Anmerkung:

Frei zur Interpretation was dieser Mann wohl für ein Wesen war oder ob er überhaupt existierte.

Kommentar?

Alles wie immer

Das Picknick im Grünen war ihre Idee. Eigentlich wollte er gar nicht, aber nachdem er ihr beim Umzug geholfen hatte, wollte sie sich auf diese Art und Weise bedanken.
Sie hieß Sarah und war die Schwester seines besten Freundes. Sie waren schon öfters zu dritt zum tanzen oder ins Kino gegangen, desshalb hatte er sich verpflichtet gefühlt zu helfen. Ihm war unwohl, weil er schon länger spürte, das sie mehr als Freundschaft für ihn empfand, was aber bei ihm nicht der Fall war.
Ausserdem war die Wiese noch ziemlich feucht vom Regen in der Nacht. Trotz der Decke konnte er die Nässe unangenehm durch seine Jeans fühlen. Sie war eine schöne Frau und noch immer ohne Partner, aber kein Fall für ihn. Das Sonnenlicht schimmerte in ihren blonden schulterlangen Haar und ein zarter Duft ihres Parfüms wehte zu ihm. Veilchen..?, vielleicht!
Auf jedenfall angenehm und nicht aufdringlich.
„Ach Kai, lach doch mal. Das Wetter ist doch so schön und ich finde es so toll, das wir mal ohne meinen Bruder etwas unternehmen.“
„Ja, du hast Recht, es ist wirklich schön hier, aber trotzdem schade das er keine Zeit hatte, denn schließlich hat er auch eine Belohnung verdient.“, oje, da war sie wieder.
Die Anspielung das sie mit ihm alleine sein wollte! Sie drehte sich zu ihm, dabei rutschte ihr Kleid hoch und gab ein wohlgeformtes Bein frei. Ihr leises lachen war ansteckend und er sagte sich selbst:“ so schlimm wird es wohl nicht werden. Vielleicht hab ich Glück und das Wetter hält nicht an. Vielleicht fängt es wieder an zu regnen und wir können zusammen packen. Und vielleicht kommt ein Frosch der geküsst werden will… Blödsinn alles!
Wie konnte er ihr sagen das sein Herz schon vergeben war?
Ihre schönen, fast schwarzen Augen die einen faszinierenden Kontrast zu ihren Haaren und ihrer heller Haut bildeteten, blickten ihn aufmerksam an.
Dieselben Augen seiner heimlichen Liebe.
„Kai, was ist los? Ich merke doch das etwas mit dir nicht stimmt. Ich hab mich so gefreut mal mit dir alleine zu sein, weil ich dich so gerne mag… eigentlich mehr als mögen.“
So! Jetzt war der gefürchtete Moment gekommen. Er hatte es geahnt und trotzdem lies er sich zu diesem Picknick überreden. Das Herz wurde ihm schwer.
„Sarah, bitte… sag das nicht.“, er hob hilflos seine Hände und lies sie wieder sinken.
„Du liebst jemand anderen, stimmts?“
Verzweifelt suchte er nach einer Antwort als ein Rufen erklang: „Hallo da seit ihr zwei ja. Na was sagt ihr, ich konnte doch noch kommen.“
Gott sei Dank, da war die Rettung. Ihr Bruder, – sein Freund war gekommen und befreite ihn dadurch, ihre Frage beantworten zu müssen.
„Oh Gott, die Decke ist ja feucht! Habt ihr das nicht bemerkt? Kommt lieber mit, ich mach uns Zuhause etwas gutes.“ Sie packten zusammen, ein trauriger Blick von ihr streifte ihn und sie lief zum Auto vorraus.
„Hab ich euch gestört? Hab ich was wichtiges verpasst?“
„Nein, alles ist ok… alles wie immer.“
Und seine blauen Augen blickten in die schwarzen seines Freundes.

Alles wie immer ( Ihre Sicht )

Sie hatte sich soviel Mühe gegeben. Mit soviel Liebe den
Korb mit den feinsten Wurst und Käsesorten, Brötchen,
einen selbstgemachten Kartoffelsalat, einer guten Flasche
Rotwein und Mineralwasser gefüllt. Außerdem hatte sie
noch leckere kleine Erdbeertörtchen als Nachtisch
eingepackt, aber so wie es aussah lief trotzdem alles
schief.
Sie hatte es endlich geschafft, den besten Freund ihres
Bruders einmal alleine für sich zu haben. Vor ein paar
Tagen hatten die Zwei ihr beim umziehen in ihre neue
Wohnung geholfen. Möbel wurden geschleppt, Teppiche
ausgerollt und die Gardinen aufgehängt.
Ganz zu Schweigen von den unzähligen Schachteln mit all
dem Krimskram der zu einem Haushalt dazu gehört.
Dieses Picknick im Grünen sollte eine kleine Belohnung
werden und sie hatte mit ihrem Bruder ausgemacht, dass
er erst später dazu kommen soll. Dieses Mal wollte sie
es endlich erreichen, das Kai mehr als nur eine Art
„Kumpel“ in ihr sah.
Sie liebte ihn schon so lange, aber mehr wie einen
freundschaftlichen Wangenkuss gab es nie.
Jetzt saß er mit ihr auf der Decke, rund um sie eine
herrliche Wiese im hellen Sonnenschein und sie versuchte
verzweifelt einen Gesprächsstoff zu finden.
„Herrgott“…warum war es nur so schwer? Sonst konnten sie
sich doch auch unbeschwert über Gott und die Welt
unterhalten.
Sie lächelten sich verlegen zu und sie spürte wie

unangenehm er sich fühlte.
„Ach Kai, lach doch mal. Das Wetter ist doch so schön
und ich finde es so toll, dass wir mal ohne meinen
Bruder was unternehmen.“
„Ja, du hast Recht, es ist wirklich schön hier, aber
trotzdem schade das er keine Zeit hatte, denn schließlich
hat er auch eine Belohnung verdient.“
Schon wieder diese Jammerei, das Richard nicht dabei war.
Krampfhaft lächelnd drehte sie sich zu ihm und sah,
wie er ihr plötzlich intensiv und doch irgendwie
geistesabwesend in die Augen schaute. Ach, wie sehr sie
seine blauen Augen liebte, sein liebes markantes Gesicht.
„Jetzt oder nie“, dachte sie sich.
„Kai, was ist los? Ich merke doch das etwas mit dir nicht
stimmt. Ich hab mich so gefreut mal mit dir alleine zu
sein, weil ich dich so gerne mag…eigentlich mehr als
mögen.“
So! Jetzt war der gefürchtete Moment gekommen.
Wie reagiert er darauf – war sie zu weit gegangen?
Bebend hielt sie den Atem an.
„Sarah, bitte…sag das nicht.“
Er hob in einer hilflosen Geste seine Hände und lies sie
wieder sinken.
„Du liebst jemand anderen, stimmts?“
Ihre Stimme zitterte und sie hasste sich dafür.
Sie sah ihm an, wie er verzweifelt nach einer ausweichenden
Antwort suchte.
Aber er kam nicht mehr dazu etwas zu sagen, denn in
diesem Moment kam ihr Bruder über die Wiese auf sie
zugelaufen. Verdammt…gerade jetzt.

„Hallo, da seit ihr zwei ja. Na was sagt ihr, ich konnte
doch noch kommen.“
Sie blickte kurz zu Kai und sah die Erleichterung in seinem Gesicht geschrieben. Alles war umsonst. Er liebte sie nicht
und sie ahnte, nein sie wußte…es gab jemand anderen..!
Die Antwort war er ihr schuldig geblieben, aber sie sah wie
sehr seine Augen leuchteten
, wie froh er über Richards
Anwesenheit war und ihr war alles klar.
Sie packte zusammen und sah ihn traurig und ernst an.
Heißes Mitleid und Liebe zu ihm durchflutete sie, denn
in diesen wenigen Augenblicken erfuhr sie, wie sehr er
unter seiner unerfüllten und hoffnungslosen Liebe litt und
sie schwor sich, – niemals und zu niemanden darüber
etwas verlauten zu lassen.

Anmerkung:

Meine Lektorin hat nicht erkannt um was es im ENDEFFEKT  gegangen ist. Wie steht es mit euch?
Thema war diesmal eine Geschichte auszudenken zu einen Foto, auf dem ein Mann und eine Frau zu sehen war die gemeinsam ein Picknick hatten und ich musste hauptsächlich schreiben was auf diesen Foto nicht zu sehen war.

Kommentar?

Apfel des Himmels

„Ach Samuel,“ klagte die Mutter. Du hast schon wieder in deiner Pause im Kindergarten den Apfel nicht gegessen. Dabei habe ich ihn dir extra geschält, damit du ihn besser essen kannst nachdem die Zahnfee deinen vorderen Zahn geholt hat.
„Aber Mama,“ du weißt doch das ich keine Äpfel mag,“ erwiderte verdrieslich der kleine Junge. Mit seinen großen blauen Augen sah er sie unschuldig an. Sie konnte ihm nicht böse sein und schon gar nicht wenn er sie so anblickte wie in diesem Moment. Er war ja erst fünf Jahre alt und er sah sie mit seinen schönen Augen, die von dichten Wimpern umkränzt waren, ganz aufmerksam an.
„Weißt du was, kleiner Mann?“ Ich erzähle dir jetzt warum der Apfel so wichtig ist und dann schauen wir ob er dir nach der Geschichte besser schmeckt.
„Einverstanden?“
„Ja Mama.“ Erleichtert das seine Mutter nicht traurig war, weil er in dieser Woche schon zum vierten Mal den Apfel wieder nach Hause brachte, umarmte er sie ganz fest und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Sie kuschelten sich zusammen in den breiten Wohnzimmersessel. Sie legte ihre Arme um ihn und begann zu erzählen.
Der liebe Gott hatte im Himmel für seine Engel einen wunderschönen Garten gemacht. Er war voller Blumen und Schmetterlinge , die so bunt waren, das man glauben konnte, es wären fliegende Blütenblätter.
Die Engel konnten die ganze Zeit nach Herzenslust dort umherfliegen und spielen.

Überall waren leuchtende Regenbogen obwohl es dort keinen Regen gab , sondern kleine, wie Diamanten glitzernde Tautropfen und er nannte den Garten „Eden.“
Aber eines Tages merkte der liebe Gott das es den Engeln ein wenig langweilig zu werden schien und das wollte er auf keinen Fall zulassen .
Also gab er ihnen Farbe und verschiedenes Fruchtfleisch. „Nun sollt ihr für den Garten verschiedene , gut schmeckende Formen machen. Egal ob rund oder eckig, lang oder kurz.
Einfach so wie es euch am besten gefällt und dann komme ich mir alles anschauen, wer sich Mühe gegeben hat und wer nicht und wir nennen diese Dinge, – Obst-. Aber der kleine Engel Michael spielte gerade mit einem wunderschönen Schmetterling und hörte nicht was der liebe Gott gerade gesagt hatte.
Er flog , laut jauchzend, im wilden Tempo zwischen den Zweigen der Bäume hindurch und merkte plötzlich das er alleine war. Er machte sich auf die Suche nach seinen Artgenossen. Da entdeckte er sie ganz vertieft in einem für ihn ganz eigenartigen Spiel das er noch nicht kannte. Er wußte ja nicht das der liebe Gott allen eine Aufgabe gegeben hatte. Neugierig stellte er sich dazu und fragte was sie denn da machen würden. Überall sah er die Farbtöpfe und er roch das gute eigenartige Fruchtfleisch aber niemand wollte ihm Antwort geben und jeder schubste ihn zur Seite, dem er zu nahe kam.
Jeder war bemüht die beste und schönste Frucht zu machen um den lieben Gott beeindrucken zu können.
Der kleine Michael war schon ganz nervös, weil er nicht wußte warum ihm niemand etwas sagte Plötzlich merkte er worauf es ankam und was die anderen da taten.
Schnell versuchte er noch was von den Farben und dem gut riechenden Fruchtfleisch zu erhaschen, doch die Töpfe waren fast leer.
Diejenigen, die bereits fertig waren, scharten sich schon stolz um den lieben Gott um ihm ihre Werke zu präsentieren. Er aber sah, wie verzweifelt sich
der kleine Michael bemühte, noch etwas schönes, mit dem wenigen das er hatte, zu bewerkstelligen. Endlich durften sie der Reihe nach ihre schönen und unterschiedlichen Früchte dem lieben Gott vorlegen.
Da war zum Beispiel ein langes, gebogenes gelbes Ding, das schmeckte ganz süß und cremig und bekam den Namen,-“Banane.“
Dann war da etwas kleines, rotes ,das köstlich schmeckte und den Namen,-Erdbeere-, bekam. Der kleine Michael wurde immer mutloser als er sah was für wunderbare Dinge alle gemacht hatten.
Aber Gott nahm sie und sprach:“ Diese Frucht ist gut und schön und ich nenne sie-“Apfel.“
„Und?“,möchtest du jetzt einen Apfel probieren?“fragte Samuels Mama.Er nickte eifrig, nahm ihn und ging in den Garten, wo er ihn ganz andächtig in beiden Händen hielt und sich den Geschmack des ersten Bissens den er nahm, langsam auf der Zunge zergehen ließ und er schmeckte herrlich, saftig und ein bißchen nach Himmel.

Anmerkung:

Das soll eine Kindergeschichte sein. Ich bekam ein Foto mit einen kleinen Jungen der einen Apfel aß, und dazu musste ich eine Geschichte erfinden.

Kommentar?

Nicht besonders wichtig

Jeder Mensch ist wie ein ungeschriebenes Buch und der Friedhof ist eine Bibliothek in
der man nur die Namen der Autoren zu lesen bekommt aber die Seiten eines jeden Buches
sind leer.
All die einzigartigen Momente im Leben jedes einzelnen; seine Träume und
Hoffnungen sind für alle Zeiten verloren.
Es wurde gelacht, obwohl man weinen wollte. Liebe geheuchelt mit einem Herzen voller Hass.
Man wollte schreien und toben und blieb nach außen hin ruhig. Man gab sich glücklich und
lebensfroh und spielte mit Gedanken an den Tod.
In den meisten Fällen gab es noch ,Hinterbliebene die einiges von dem Verstorbenen
zu berichten wußten; aber wie der Mensch wirklich war das blieb ein Geheimnis.

Das waren ihre Gedanken während sie langsam zwischen den Reihen der Gräber spazierte und den Moment noch hinaus zögerte der sie unwiderruflich zu den schmalen Holzkreuz führte, das schon die ersten Verwitterungs Erscheinungen zeigte.
Hier lag ihr Vater schon seit ein paar Jahren, aber für sie war sein Sterben als wäre es erst
gestern gewesen. Für einen schönen Grabstein reichte einfach das Geld nicht aber der Tag
würde schon noch kommen.
Es war schon ziemlich spät am Abend und die Sonne verschwand langsam hinter den Bäumen, aber es war ihre liebste Zeit um einen kurzen Besuch an der Ruhestätte ihres Vaters zu machen.

Alles war so still. Keine Hektik oder Lärm störte sie und ihre Seele kam für einen
Augenblick zur Ruhe.

An einigen Gräbern flackerten Kerzen und verbreiteten einen angenehmen Schein sodaß die
beginnende Dunkelheit nicht störte.
Seltsamerweise empfand sie trotz der Trauer um seinen Verlust, einen tiefen Frieden der sie umgab wie ein schützender Mantel.
In letzter Zeit war sie nicht mehr so oft da denn die Arbeit in der Fabrik und die Ansprüche der Familie ließen es einfach nicht zu.

Aber manchmal gelang es ihr doch, so wie heute und sie erzählte leise ihre Sorgen und Ängste im festen Glauben daß die Seele ihres Vaters neben ihr stand und alles hörte.
Er konnte nicht mehr mit seinen guten Ratschlägen helfen aber alleine das sie alles sagen
konnte was sie bedrückte, half ihr schon sehr und befreite sie von dem Druck der auf ihr lag.

Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen und es wurde wieder Zeit um sich zu
verabschieden.
„Papa, ich muß wieder gehen aber ich rauche noch eine Abschiedszigarette
mit dir.“
flüsterte sie leise während sie schon dabei war aus der Packung die sie die ganze
Zeit fest in der Hand hielt ein Stück heraus zu ziehen und sich anzuzünden.
Das Klicken des Feuerzeuges klang unnatürlich laut in der Stille des Friedhofes.
Am Tag hätte sie sich das nicht erlauben dürfen denn da waren mehrere Besucher da und die
hatten absolut kein Verständnis für diese Handlung, wie sie schon ein paar Mal erleben mußte.
Aber die ahnten auch nicht daß es so eine Art Ritual zwischen ihrem Vater und sie war als er
noch lebte.
Seine kleine ein Zimmer Wohnung war in der Nähe ihrer Arbeitsstätte und jeden Abend
kam sie vor Beginn ihrer Schicht noch für eine halbe Stunde bei ihm vorbei.
Er freute sich jedesmal aufs neue und begrüßte sie stets voller Liebe die er für sie empfand.
Seine türkisblauen Augen strahlten und trotz seiner 68 Jahre und seinem Bierbäuchlein
sah man immer noch, das er in jungen Jahren ein außergewöhnlich schöner Mann
gewesen war.

Es wurde zur Gewohnheit, das immer bevor sie
zur Arbeit mußte, sie miteinander noch eine Abschieds-zigarette rauchten.
Dann mußte er plötzlich wegen starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus. Sie besuchte ihn mit
ihrer Mutter, was ihn sehr freute. Als die Besuchszeit zu Ende war, bat er um eine Abschieds-zigarette..und das war sie wirklich.
Vierundzwanzig Stunden später war er tot. Gestorben an Herzversagen.

Für einen kurzen Augenblick glaubte sie ihn riechen zu können. Sein Aftershave, einen Hauch
von Nikotin und seinen ganz persönlichen Geruch den man mit Worten nicht beschreiben
konnte. Ein unglaublich tiefes und schmerzvolles Verlustgefühl überfiel sie für einen
Moment aber sie faßte sich gleich wieder.
Sie lies ihren Blick über all die Gräber wandern und schwor sich:“Ich werde es nicht
zulassen das die Menschen denken,- hier liegt nur ein alter Mann… nicht besonders wichtig.
Ich werde von dir schreiben..von deinem Lachen, Weinen, deinem Glauben und Hoffen und
deiner unendlichen Güte und Stärke für die ich dich geliebt und bewundert habe.“Ja, genau
das und noch vieles anderes.
Langsam wandte sie sich ab, atmete tief ein, verscheuchte all die traurigen Gefühle die sie
durchströmten und machte ,sich aufrecht haltend, voller Gedanken was sie alles zu Papier
bringen würde auf den Weg nach Hause.

Anmerkung:

So fern es meine Zeit erlaubt, besuche ich meinen Vater immernoch an seinen Grab und rauche mit ihn am Ende eine Abschieds Zigarette.

Kommentar?

Staub im Sonnenlicht

„Ist sie schon weg?“, flüsterte der kleine Junge
aufgeregt seiner Schwester zu. Sehr vorsichtig und darauf
bedacht daß sich der Vorhang nicht verräterisch bewegt,
beobachtete das Mädchen, wie sich ihre Mutter mit
raschen Schritten zur zweihundert Meter entfernten
Bushaltestelle begab.
Die fast zwei Stunden absoluter Freiheit war nur noch
wenige Minuten entfernt.
„Pst-sei still, gleich ist es soweit.“
Und da kam er auch schon um die Ecke. Der große, gelbe
Bus, der ihre Mutter zur Arbeit in die Firma brachte.
Kurz bevor sie einstieg, drehte sie sich um und warf einen prüfenden Blick zurück.
Aufkeuchend fuhr das Mädchen vom Fenster weg.
Es war immer dasselbe. Eigentlich sollten sie jetzt brav
in der Küche sitzen und ihre Hausaufgaben machen und
lernen, solange bis ihr Vater von der Frühschicht nach
Hause kam. Aber genau diese Zeit, war die Zeit der
Abenteuer.
Aufatmend hörten sie wie der Bus sich laut dröhnend
entfernte. Jetzt galt es, keine Zeit mehr zu verlieren.
Sie wohnten in einem alten Bauernhaus. Es gab zwei
Schlafzimmer und über den Flur eine Wohnküche in der
sich das ganze Leben der Familie abspielte.
Es lebten noch zwei Parteien in dem Haus, aber die Leute
arbeiteten alle und so war niemand da, den die Mutter
bitten konnte, ein Auge auf ihre zwei Sprösslinge zu werfen.
Das einzig wahrhaftige und wunderschöne in dem alten Haus war der riesengroße, gigantische Dachboden.
Am Vortag hatten sie unter all dem Gerümpel was hier
herumlag, einen echten Dartpfeil gefunden, mit einer
schweren, goldig glänzenden Metallspitze.
Lächelnd und verschwörerisch schaute das zehnjährige
Mädchen in das empor gewandte Gesichtchen ihres
siebenjährigen Bruders. Sie liebte ihn über alles und sein
stets etwas schwermütiger Blick, bedingt durch die
unglaublich langen dunklen Wimpern, erwiderte den ihren erwartungvoll.
„Jetzt ist es soweit, lass ihn uns ausprobieren.
Lachend liefen sie zu dem Stapel alter, nach trockenen
Holz riechenden Bretter und holten ganz langsam und
feierlich den Pfeil heraus. Die Nachmittagssonne schien
durch die Ritzen der alten Holzwände und die Goldene
Spitze funkelte verheißungsvoll im Sonnenlicht.
Eine Seite des Dachbodens hatte eine rote Ziegelwand,
aus der gewaltige Teile von Holzbalken hervorragten.
„Hier ist es richtig, versuchen wir einen zu treffen.“
„Glaubst du wir können so hoch werfen?“ Das Mädchen
schätzte die Höhe und mußte ihren Bruder recht geben.
„Ja, es ist wirklich fast zu hoch, besonders für dich. Aber
lass es mich mal versuchen und danach suchst du dir einen
Balken aus und wir probieren es dann dort wo du möchtest.“
„Okay.“
Sie ging ein paar Schritte zurück, nahm den Dartpfeil
zwischen ihre Finger an der schweren eisernen Spitze, holte aus – warf – und traf.
„Wau, du hast getroffen, wie hast du das gemacht?“
„Keine Ahnung, aber sag mir lieber wie wir ihn von dort
wieder herunter bekommen.“ Jetzt hatten sie natürlich
ein Problem, denn wie es schien steckte er unverrückbar
in dem alten Holz fest und es gab nirgends eine Leiter
um an ihm heranzukommen.
Beide standen unter dem Balken, blickten intensiv nach
oben als könnten sie ihn mit ihren Blicken bewegen
wieder herunter zu kommen und in diesem Augenblick
löste er sich schnell, plötzlich und ohne Vorwarnung.
Das Geräusch das er von sich gab, als er in die Stirn
ihres Bruders fiel war leise…nur ein kleines-“Tack!“
Die Zeit blieb stehen.
Er stand da, umgeben von einem Sonnenstrahl der durch
morsche Bretterwände fiel. Staubpartikel flimmerten im
Licht, die Luft war heiß und stickig und es war totenstill.
Er stand nur da und sah sie mit großen, leuchtend blauen
Augen an und genau dazwischen – steckte in seiner
Stirn der golden schimmernde Pfeil.
Sie rang verzweifelt nach Atem, die Brust wurde ihr immer
enger und in diesem Augenblick löste er sich ganz langsam,
drehte sich im Fall und fiel mit der schweren Spitze
vorraus in den Holzboden, zwischen die Füße des Jungen
wo er zitternd steckenblieb.
Nur ein kleiner roter Punkt zwischen seinen
Augen zeugte noch von dem Moment, als es keine Zeit
und keine Geräusche mehr gab und nur noch Angst und
Entsetzen in einem staubigen Sonnenlicht existierten.
Der Pfeil kam zurück wo sie ihn gefunden hatten. Sie
gingen Hand in Hand still in die Küche, machten ihre
Aufgaben und die Mutter erfuhr es nie. Es blieb ihr
Geheimnis.

Anmerkung:

Diese Geschichte stamm aus meiner Kindheit, ich musste sie schreiben für meinen Fernstudium in  Belletristik.
Das Kommentar meiner Lektorin war nicht aufbauend, ich hoffe das sie euch besser gefällt.
Thema war: Kindheitserlebniss

Liebe grüße eure Waldgöttin

Kommentar?